Die Abenteuer von Aélias dem Vielsaitigen | 01 – Der hungrige Kuchen

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Wie bereits erwähnt, befinden wir uns zum Zeitpunkt dieser Worte auf der Suche nach dem ominösen Heiligtum der Kobaltzunge. Um dieses zu finden, haben wir in einem Kloster eine Beschreibung bekommen, die jedoch reich an Metaphern ist und in denen gleichsam mit Zahlen gespielt wird. Den genauen Wortlaut vermag ich hier nicht zu beschreiben, da es uns auch nur unter dem Versprechen der Geheimhaltung anvertraut wurde. Auch wenn die Karolianer gewaltsam ebenso an die Beschreibung gelangt sind und wir damit im Wettlauf gegen die Zeit sind, so achte ich selbstverständlich die Verschwiegenheit.

Wir haben mittlerweile ein Plateau erreicht, auf dem es einige riesige Krater gibt. Nach unserer Wegbeschreibung führt uns einer dieser Krater weiter zum Heiligtum, während andere womöglich eher wenig angenehme Erfahrungen für uns darstellen mögen. Als ich sah, dass der erste Krater bereits einen Weg nach unten und so etwas wie eine Tür bot, schlug ich vor, diesen anzuschauen. Zu dem Zeitpunkt war mir nicht klar, ob die weitergehende Beschreibung innerhalb einer dieser „Doline“ abspielt oder sich auf das Hochplateau selbst bezog. Auch wenn mich auf dem Weg nach unten allmählich Zweifel beschlichen, war der Rest meiner Kameraden offenbar noch neugieriger als ich, was sich unten wohl befinden mag. Und wer bin ich, ausgerechnet als Barde der Neugier einen Riegel vorzuschieben?

Wir kamen zu einem Tor, dass offenbar für Riesen gedacht war. Groß, massiv, aus Stein. Mittels eines einfach Zaubertricks befreite ich die Tür vom Staub, um eine vermeintliche Inschrift freizulegen. Statt einer Inschrift zeigte sich jedoch eine magische Rune, die ich zumindest als eine Art Schutzzauber identifizieren konnte, die beim Freilegen aufleuchtete. Nicht unbedingt das beste Zeichen – doch unser Interesse minderte es verständlicherweise ebenso wenig.

Doch wir standen noch immer vor einem mächtigen Brocken von Tür, den wir ohne Hilfe nicht so einfach verrücken konnten. Zum Glück hatte Lina einen Zauber, um Ulfgar tatsächlich mal groß zu machen. Ausnahmsweise war es nun mal an mir, zum Zwerg aufzublicken, als er in neuer Größe der Tür einen zweiten Anlauf gab. Trotz seiner massiven Gestalt öffnete sich das steinerne Tor nur mit größten Anstrengungen und gab endlich den Weg ins Innere frei.

Die erste Höhle

Auch im Innern schien alles, wie für Riesen gemacht Wir befanden uns in einem Gang, in dem wir uns nicht gerade ducken mussten. Auch wenn die Vergrößerung des Zwergen längst noch kein Einziehen des Kopfes nötig machte, endete der Zauber, noch bevor wir ganz im ersten Raum waren. Es handelte sich um eine Art Speisesaal in dessen Mitte ein Tisch gigantischen Ausmaßes stand. Die Beine waren dick wie die Stämme einer alten Eiche, die Platte so hoch, dass wir von unten nicht zu erkennen vermochten, was sich auf dem Tisch befand.

Die Gnomin Lina war die neugierigste von uns. Während wir uns noch ein wenig in diesem surreal großen Speisesaal orientierten, war sie bereits dabei, über einen Stuhl den Tisch zu erklimmen. Vermutlich war sie es als Gnomin auch eher gewohnt, dass Möbel etwas überdimensioniert erschienen – ich selbst kann jedoch nur vage erahnen wie kolossal der Tisch erst für sie wirken musste. Es dauerte nicht lange, da beschrieb sie uns einen Kuchen, der auf den Tisch stand – etwas seltsam, so verlassen, wie der Raum ansonsten wirkte. Obgleich Staub den Boden und die Möbel bedeckte, schien der Kuchen frisch – und hungrig. Ein Aufschrei ließ uns bemerken, dass etwas nicht in Ordnung war. Ich wartete aufmerksam, dass Lina sich zum Rand bewegt um das, was auch immer sie angriff, mit meiner Magie in die Mangel zu nehmen. Doch das passierte nicht.

Während Ulfgar das ersten Tischbein bearbeitete, um das Problem auf seine Höhe bringen, stieg ich schon auf den Stuhl und schließlich auf den Tisch, um Lina sofort zur Hilfe zu eilen. Ich erblickte einen Kuchen, der gerade dabei war Lina zu verschlucken. Offenbar war der Kuchen eine Art Gallert, der seine Opfer in sich auflöst. Meine Gefährten blieben größtenteils unten um abzuwarten. In der Befürchtung, dass ein solches Wesen nicht unbedingt für Geistesbeeinflussung anfällig ist zog ich kräftig an einer Saite meiner Laute und schoss einen Flammenpfeil in Richtung Kuchen. Es roch nun deutlich angebrannt. Derweil hatte der Zwerg offenbar Erfolg mit seiner Axt. Ein unheilvolles Rumpeln ging durch den Tisch, ehe dieser an einer Seite krachen absackte. Ich konnte mich gerade noch mit einem eleganten Sprung auf den Beinen halten. Den Schmerz der Landung unterdrückte ich und schoss dem Kuchen eine weitere Ladung Feuer entgegen. Mit vereinten Kräften zerfiel er schließlich knusprig schwarz verbrannt und gab Lina endlich wieder frei. Zum Glück hatte sie weder das Feuer, noch die Waffen abbekommen. Nach einem kleinen Moment des Durchatmens war sie wieder sicher auf den Beinen und die Erkundung ging weiter.

Mit Schwung und Geschick

Der nächste „Raum“ überraschte uns sogleich mit einem neuerlichen Hindernis. Nein, es war weder ein Kuchen, noch ein Pudding oder Obstsalat, der uns gegenüberstand. Stattdessen befand sich eine größere Schlucht vor uns, die uns das Weiterkommen auf die andere Seite erschwerte. Zum Glück fanden wir über der Schlucht eine gute Möglichkeit, ein Seil zum rüberschwingen zu befestigen – Linas Homunculus war dabei eine ziemlich große Hilfe. Beim Homunculus handelt es sich übrigens um eine Art fleischlichen Konstrukt, der wie ein kleiner fliegender Dämon aussieht. Ein äußerst praktischer Begleiter, der uns auch schon in Kämpfen tatkräftig unterstützte.

Mithilfe des Seils gelangten Ulfgar, Aulus, Ella und Lina problemlos auf die andere Seite des Schlucht, während Ella ihren Bär Nike schweren Herzens auf der anderen Seite zurücklassen musste. Leider war das Seil offenbar nicht das robusteste. Als Nephis sich schließlich rüberschwingen wollte, gab es nach und ließ Nephis mitten im Schwung in die kalten Fluten stürzen. Glücklicherweise war sie als Seefahrerin durchaus das Wasser gewohnt und konnte mit etwas Hilfe auf der anderen Seite des Ufers mit einem weiteren Seil hochgezogen werden.

Mit nur wenigen Seilen als Reserve und dem Ausblick auch noch irgendwie zurückkommen zu müssen, fasste ich einen tollkühnen Entschluss. An der Wand des Raumes entlang sah ich noch einen ganz schmalen Vorsprung, auf dem meine Zehen womöglich noch Halt zu finden vermochten. Vorsichtig streckte ich den ersten Fuß auf den Vorsprung und prüfte mit den Händen, in wie weit ich in der Wand Halt zu finden vermochte. Es reichte so gerade aus, um meinen Kletterfähigkeiten zu vertrauen und ich bewegte mich langsam, den Körper dicht an die wand gepresst über die schmale Kante auf die andere Seite. Nun war lediglich Varis noch auf der anderen Seite. Inspiriert von meiner Kühnheit versuchte auch er sich an dem Vorsprung und mit meinen Fachkundigen Hinweisen gelangte auch er sicher auf die andere Seite.

Wir schritten weiter durch den nächsten Gang, der sich schließlich in zwei weitere Wege gabelte. Wir bogen nach rechts ab und gelangten in einen Raum mit einer Truhe, die nicht einmal verschlossen war. Glaubt es mir oder nicht: Diese Truhe war bist zum bersten gefüllt mit riesigen Goldmünzen, groß wie meine ausgestreckte Hand. Ulfgar mahnte uns, dass dies eine Prüfung sein konnte und tatsächlich gab auch in der Wegbeschreibung die Erwähnung von Prüfungen zur Verderbtheit, Wahnsinn und Absolution. Nur schweren Herzens löste sich Ella von einer bunt schillernden Scheibe, die zwischen den Münzen lag und die sie am liebsten mitgenommen hätte. Nachblickend sollten wir hier vielleicht doch noch einmal vorbeischauen, so uns dazu die Möglichkeit bleibt, denn wir ließen den Raum zurück wie er war.

Schweren Herzens entschieden wir uns also die andere Tür zu nehmen und gelangten in einen großen achteckigen Raum. Entlang der Wände sahen wir acht steinerne Gesichter, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lassen konnten. Nicht etwa, weil sie von großer Scheußlichkeit waren, sondern ob ihres Detailreichtums. Zum Glück bewahrheitete sich meine Befürchtung nicht, dass diese plötzlich lebendig werden und gar mächtige Zauber auf uns niederprasseln könnten.

Wir gingen weiter durch einen Gang, der in einen weiteren Raum führte, kreisrund und mit magischen Runen, die den Raum in schwaches blaues Licht hüllten. Als ich diese Runen abermals magisch von Staub befreite, begann die Luft zu Knistern und zu wirbeln und in der Mitte entstand ein magisches Portal. Während Lina sich dem Portal bereits näherte, beschloss Ella, dass wir wieder zurückgehen sollten – schließlich stand Nike noch auf der anderen Seite der Schlucht und das Portal hätte uns praktisch überall hinbringen können. Ich war geneigt Ella zu folgen, bis Lina durch das Portal schritt und auch weite Teile der Gruppe Anstalten machten, ihrem Beispiel zu folgen. Auch bei mir obsiegte die Neugier am Ende. In der Hoffnung, dass auch Ella sich einen besseren besinnen würde, schritt ich durch das Portal. Für einen Moment verließ mich der Boden unter den Füßen und ich spürte die Magie gleichermaßen pulsieren wie auch wirbeln. Dann ließ der Wirbel plötzlich nach und ich war wieder draußen, in einem Krater, vor dem geöffneten, steinernen Eingang. Das Portal brachte uns geradewegs hinaus.

Da Ella offenbar nicht durchs Portal schritt, gingen wir nochmal in die Höhle. Auf halben Weg kam uns Ella mit Nike entgegen, die offenbar gut über die Schlucht zurückgekommen ist. Ein kleines Abenteuer, dass uns nicht all zu viel Zeit kostete und meine magischen Kräfte zum Glück kaum beansprucht hat.

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